Kinderängste überwinden
9 kindgerechte Wege, Mut zu machen – ohne Druck
Monster unterm Bett, Angst im Dunkeln, Bauchkribbeln vor dem Kindergarten oder Respekt vor dem Reiten – Ängste gehören zur Kindheit. Sie sind kein Fehler, sondern ein Zeichen dafür, dass Kinder lernen, die Welt einzuordnen. Die gute Nachricht: Mit kleinen, liebevollen Schritten kann aus „Ich schaffe das nicht“ ganz oft ein „Ich probiere es trotzdem“ werden.
1) Angst ernst nehmen (auch wenn sie „klein“ wirkt)
Für uns Erwachsene ist die Spinne an der Wand harmlos – für Kinder kann sie ein riesiges Problem sein. Hilfreich sind Sätze wie: „Ich sehe, dass du gerade Angst hast.“ oder „Danke, dass du mir das sagst.“ Das nimmt Druck raus und gibt Sicherheit.
2) Gefühle benennen: „Angst bekommt einen Namen“
Kinder können besser mit Gefühlen umgehen, wenn sie sie einordnen können. Eine einfache Frage hilft: „Wo spürst du die Angst – im Bauch, im Hals, in den Händen?“ So wird aus einem großen, diffusen Gefühl etwas Greifbares.
3) Den Körper beruhigen: 30 Sekunden reichen oft
Angst ist auch körperlich: schneller Atem, Anspannung, Tränen. Mini-Tools:
- „Kerzen-Ausatmen“: tief einatmen, langsam ausatmen, als würdet ihr eine Kerze auspusten.
- „Fester Druck“: eine Umarmung oder Hände fest halten (wenn das Kind es möchte).
- „5-4-3-2-1“: 5 Dinge sehen, 4 fühlen, 3 hören, 2 riechen, 1 schmecken.

4) Kleine Schritte planen: Mut ist trainierbar
Statt „Du musst da jetzt durch“ funktioniert viel besser: Mini-Schritte. Beispiel „Dunkelheit“:
- Schritt 1: Tür bleibt einen Spalt offen.
- Schritt 2: Nachtlicht an, Tür zu.
- Schritt 3: Nachtlicht aus, Lieblingskuscheltier als „Wächter“.
5) Mut-Sätze statt Druck-Sätze
Sätze wie „Ist doch nicht schlimm“ können sich für Kinder wie „Du solltest anders fühlen“ anhören. Alternativen:
- „Ich bin bei dir.“
- „Wir probieren es zusammen.“
- „Du darfst Angst haben – und trotzdem mutig sein.“
6) Geschichten nutzen: Mut lernen im sicheren Rahmen
Geschichten sind Trainingsfelder: Kinder erleben Angst, Mut und Lösungen mit – ohne selbst in Gefahr zu sein. Genau deshalb wirkt Vorlesen so stark. Wenn du magst, lies dazu auch „Warum Vorlesen Kinder stark macht“.
7) Kleine Abenteuer als „Mut-Übungen“
Viele Ängste werden kleiner, wenn Kinder erleben: „Ich kann etwas schaffen.“ Das müssen keine großen Aktionen sein – kleine Alltagsabenteuer reichen völlig. Ideen findest du in „Warum Kinder kleine Abenteuer brauchen“.
8) Mut sichtbar machen: Mut-Glas & Mut-Rückblick
- Mut-Glas: Für jeden Mini-Mutakt kommt ein Steinchen ins Glas.
- Mut-Rückblick: Abends 1 Satz: „Heute war ich mutig, als ich …“
9) Wann Hilfe sinnvoll ist
Wenn Angst über viele Wochen sehr stark ist, den Alltag dominiert (Schlaf, Schule/Kindergarten, Essen) oder das Kind stark leidet, ist es absolut okay, sich Unterstützung zu holen (Kinderarzt, Beratung, therapeutische Hilfe). Das ist kein „Scheitern“, sondern Fürsorge.
Fazit: Mut wächst in kleinen Momenten
Kinderängste verschwinden selten durch Druck – aber oft durch Nähe, Verständnis und kleine Schritte. Und manchmal hilft schon ein bisschen Fantasie, damit aus einem schwierigen Gefühl eine mutige Geschichte wird.
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